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Ausnahmezustand

Seit dem 18. März 2020 befindet sich auch Jordanien im Ausnahmezustand. Für zehn Tage mussten alle Menschen zuhause bleiben, alles wurde geschlossen, hohe Geldbussen oder Gefängnisstraffen  drohten, wenn man das Haus verliess und die Armee brachte uns in grossen Bussen frisches Brot vorbei. Dies hat leider nicht im ganzen Land geklappt. Vor allem auch unsere syrischen Freunde gingen bei dieser Verteilaktion leer aus. Der Flughafen wurde geschlossen und die Botschaften mussten Flüge organisieren, damit die Touristen und Menschen die nach Hause wollten, noch das Land verlassen konnten. Während den nächsten zwanzig Tagen durften die Leute zwischen 16 und 60 Jahren das Haus von zehn Uhr morgens bis sechs Uhr abends nur zu Fuss verlassen und in kleinen Shops ihre nötigen Lebensmittel einkaufen. Seit vorgestern nun sind viel mehr Geschäfte hier in Amman geöffnet. Zudem dürfen heute die Autos mit einer geraden Nummer fahren. Morgen sind dann die Autos mit einer ungeraden Nummer dran. Wenn sich die Leute an diese Regel halten, wird das nun wohl eine Weile so bleiben. Die Kinder und alten Leute sollten das Haus immer noch nicht verlassen. Die Schulen bleiben geschlossen bis Ende Schuljahr und der Ramadan hat gestartet. Noch immer darf man sich nur in dem wohnhaften Bezirk aufhalten. In einigen Städten (auch Mafraq) herrscht seit dieser Woche wieder normaler Betrieb, da in diesen Gebieten niemand durch den Corona Virus infiziert wurde.

Wenn ich all das so aufschreibe, denke ich, wie verrückt ist denn das, dass sich all diese Dinge in einer so kurzen Zeit entwickeln konnten:

Ich  hätte mir vor 30 Tagen nicht  vorstellen können, dass ich nicht mehr einfach ins Auto sitzen und irgendwo hinfahren kann, wie wir Tag und Nacht in unserer Wohnung sein können und dabei immer wieder neue Ideen haben, wie wir diesen eingeschränkten Alltag zu einem Abenteuer machen können.

Ich  hätte mir auch nicht  vorstellen können, dass die Option, das Land so einfach zu verlassen, plötzlich keine mehr ist. Oder dass sich sehen und umarmen auf die Familie beschränkt wird. Dass wir unsere syrischen Freunde nicht mehr besuchen können, sondern nur noch durch Videobotschaften, Messages und Telefons miteinander verbunden sind und direkte Hilfe nur mit finanziellem Support aus der ‚Ferne’ möglich ist.

In all dem ist in mir aber eine Hoffnung aufgekeimt: der Coronavirus hat jeden Kontinenten in kürzester Zeit erfasst – auch die Liebe kann die Welt ganz schnell verändern. Es muss nicht so blieben, wie es schon immer war.

Ich glaube, dass die Liebe die stärkste Waffe der Welt ist. Ich glaube, dass negative Spiralen nicht mehr weiterdrehen, wenn man in und durch Liebe darauf antwortet. Stattdessen werden sie durchbrochen und etwas Neues entsteht.

Angst verliert seine Kraft, «social distancing» wird nur noch zu «physical distancing»‚ «sich Sorgen machen» wird zu «vertrauen», und die Freude und Dankbarkeit am Leben zu sein, wird gross in uns.

Ich will jemand sein, der so lebt. Und ich bin mir sicher, dass dieses Leben mindestens genau so ansteckend ist wie dieser Virus.

Rebekka Roggli, Team Jordanien