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Einladung in fremde Welten

Die 24-jährige Grafikerin Mira hat diesen Frühling ein ehrenamtliches Praktikum bei NOIVA Jordanien absolviert. In Amman gefällt es ihr offensichtlich so gut, dass sie bis jetzt hängengeblieben ist – und sogar den ganzen Sommer über House-Sitting für unser Team gemacht hat, das unterdessen seinen Urlaub in der Schweiz genoss. Hier Miras Bericht über ihre spannenden letzten Monate.

«Seit März 2017 bin ich hier in Jordanien und darf täglich Neues kennenlernen. Zusammen mit dem NOIVA-Team und den drei Kindern lebe ich unter einem Dach. Alle haben mich herzlichst willkommen geheissen und in ihre Gemeinschaft aufgenommen. So lerne ich, in einem Haushalt mit unterschiedlichsten Menschen zusammenzuleben, und darf miterleben, wie Harmonie, Zuwendung und Fürsorge das Alltagsleben leicht machen.

Mit dieser schweizerischen Oase als «Homebase» darf ich wie eine Entdeckerin auf dem Mars neue Welten entdecken und lerne täglich für mein Leben mehr dazu. Gespräche mit syrischen Frauen über ihre Verlobten, die sie manchmal erst seit kurzer Zeit kennen, die willkommenen Worte von Männern, die uns ohne Missmut und mit vollem Vertrauen zum Tee einladen. Kinder, die sich auf einen stürzen und hungrig jedes bisschen Aufmerksamkeit aufsaugen, die sie bekommen können. Es berührt mich sehr, so unbefangen in fremde Welten eingeladen zu werden. Durch diese persönlichen Einblicke wird mir jedoch immer wieder auch von schockierenden Schicksalen und tragischen Geschichten erzählt. Es ist dann nicht einfach, in ein grosses Haus mit gefülltem Kühlschrank zurückzukehren …

Es war für mich speziell, in kürzester Zeit Bekanntschaften zu machen, die sich so persönlich und stark anfühlen. So war da zum Beispiel der kleine Junge Yousef. Er war in der Gruppe, die ich während des Schulcamps leitete. Am ersten Tag weigerte er sich, an unserem Programm teilzunehmen, und sass weinend vor der Turnhalle. Bis ich realisierte, dass er besondere Aufmerksamkeit braucht. Ab dem Punkt, als ich ihn als Individuum wahrnahm und ihm den Schritt entgegen kam, den er brauchte, banden wir ein unsichtbares Band der Fürsorge zueinander. Ich spürte, wie dieser zuvor abweisende Junge mir vertraute und wie er während der nachfolgenden Tage meine Nähe und Aufmerksamkeit suchte.

Ein wichtiger Teil meines Aufenthalts hier in Jordanien war der April-Einsatz von NOIVA. Besonders habe ich die positive Energie der Schweizer Freiwilligen in Erinnerung. Allabendlich sassen wir zusammen und haben das Kinderprogramm des bevorstehenden Tages vorbereitet. Während des Zusammenseins wurden Eindrücke, Sorgen und neue Ideen ausgetauscht. Gemeinsam haben wir ein Feuer entfacht, das mir – und bestimmt vielen anderen – viel Energie gab.

Für mich etwas ganz Neues waren die vielen Kinder, mit denen wir in Mafraq und im Azraq Refugee Camp verschiedene Programme durchführten. Es war bestärkend, so viel Vertrauen vom NOIVA-Team zu bekommen, obwohl ich noch keine Erfahrung in diesem Bereich hatte und einfach nur mein Herz und meine Energie zählte.

Während des Einsatzes waren wir immer von Kindern umringt: Schüchternheit und Zurückhaltung war von niemandem zu spüren, Aufmerksamkeit und Herzlichkeit wurde von Kindern und Erwachsenen wie glitzernd verpackte Weihnachtsgeschenke entgegengenommen und fröhlich erwidert.

Durch das NOIVA-Team konnte ich weitere Kontakte knüpfen und arbeite jetzt in einer NGO bei einem Schulbuch-Projekt mit: Ich gestalte verschiedene Schulbücher auf Arabisch und Englisch. Es ist eine grossartige Bereicherung, mit Menschen aus Jordanien, Syrien und weiteren Ländern zusammenzuarbeiten. Ich bekomme damit auf natürliche Weise einen Einblick in diese Kultur.

Danke, NOIVA.»

Danke auch DIR, Mira, für deine Offenheit, Herzlichkeit und Liebe für die Menschen!