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Was uns bewegt und beschäftigt

«Good morning, teacher!»

Zurzeit büffeln jeden Vormittag rund 50 syrische Frauen und Männer in kleinen Gruppen Englisch. Angeleitet und unterstützt werden sie dabei von NOIVA Jordanien und freiwilligen Helfern aus der Schweiz, die ihre Winterferien für einmal in der Wüste statt in den Bergen verbringen. Vor Ort mit dabei ist die Primarlehrerin Janine (31).

share«Good morning, teacher!» Gekicher. Die syrischen Flüchtlingsfrauen aus meinem Kurs haben sich vor unserer zweiten Englisch-Lektion abgesprochen, um mich angemessen begrüssen zu können. Sie freuen sich riesig über meine erstaunte Reaktion – und ihren Erfolg. So sitzen nun elf Frauen an einem dafür eigentlich viel zu kleinen Tisch vor mir und blicken mich erwartungsvoll an. Meine anfänglichen Ängste bezüglich der Verständigungsschwierigkeiten verfliegen dank der fröhlichen, wohlwollenden Art und der sehr grossen Lernmotivation dieser Frauen, die alle Nachbarinnen sind, schnell. Die jordanischen Volunteers, die uns bei der Arbeit unterstützen, sind für die Verständigung in sprachlicher wie auch in kultureller Hinsicht unglaublich wertvoll. Spätestens beim rasanten Müsli-Spiel zum Farbenlernen schliessen wir einander unter viel Gelächter definitiv ins Herz. Ich freue mich jetzt schon wieder auf den morgigen Englisch-Kurs.

Nachmittags beschäftigen mich einerseits Ballons, Gummibälle, Knetfiguren, Seifenblasen, Klatschspiele und Lieder beim Spielen mit den Kindern – und auf der anderen Seite die Situationen der syrischen Familien, die wir zu viert oder fünft inkl. Übersetzer in ihren eigenen vier Wänden besuchen. Für mich persönlich ist dies jedes Mal ein Sprung ins eiskalte Wasser. Doch es entstehen ausserordentlich berührende Momente, während wir miteinander reden: über die Familie, die aktuell schwierigen Lebensbedingungen, über die Vergangenheit und Zukunft. Auch gemeinsames Spielen und Musizieren kommt nicht zu kurz. Und wenn wir ein kleines Mädchen dank eines neuen Kleides in eine strahlende Prinzessin verwandeln können, die Eltern damit zum Lächeln bringen oder einander während des Mikado-Spiels beim Schummeln erwischen und dann schallend lachen müssen, fühle ich mich genauso beschenkt und merke: Schwimmen im kalten Wasser ist gesund.

share_3Das NOIVA-Team vor Ort unterstützt uns mit seiner grossartigen Arbeit dabei sehr und hilft uns, mit unseren Eindrücken und den zum Teil auch gemischten Gefühlen und vielen Fragen umzugehen. Ihr Einsatz, ihr Engagement, ihre Hoffung, ihre Freude und Ausdauer sind für mich sehr inspirierend und berührend. Daneben erhalten wir aber auch aus unserem temporären Team jede Menge Support, lernen von einem der Volunteers jordanische Volkstänze, bereiten gemeinsam Englischlektionen vor und tauschen unsere Erfahrungen aus.
Es ist nicht viel, was wir geben können. Und gleichzeitig schenken wir das Wertvollste, was wir vermögen – unsere Zeit, unsere Anteilnahme und schliesslich uns selbst …